Dom-Exkurse       

 

 

Arbeit für die Dombauhütte

 An einem Dombau waren zur Zeit des Mittelalters eine Unzahl von Menschen beteiligt. Diese waren auch nötig da man damals noch nicht wie heute, die Hilfe von Maschinen und schwerem Gerät in Anspruch nehmen konnte. Außerdem wurde auch nur im Frühjahr und Sommer gearbeitet, während im Winter lediglich die Steinmetze und Schmiede auf der Baustelle verblieben und durcharbeiteten. Dies trug u.a. dazu bei, daß sich die Bauarbeiten unendlich in die Länge zogen. Man muß bei diesen Überlegungen auch bedenken, daß früher noch jedes Werkzeug, das beim Bau des Doms benötigt wurde, eigens hergestellt werden mußte und so fertigten die Schmiede in einem fort Meißel, Sägen, Stecheisen, Maurerkellen, Spaten, Eisenringe, Ketten, Eimer, Hämmer, Zangen, Schlösser und Beschläge. Nicht zu vergessen die zigtausend Nägel, Klammern und Dübel – auch diese wurden einzeln von Hand geschmiedet. Alle Bauteile, wie die tausende von Fialen, die Quader im Mauerwerk, die Pfeiler und Säulen wurden verklammert, d.h. mit einer speziellen Technik so eingepaßt, daß man sie von außen nicht sieht und weiterhin kein Wasser eindringen und die damals noch eisernen Klammern und Dübel zum Rosten bringen konnte. Der von den Dombaumeistern erfundene „Wolf“ - ein Werkzeug , das ein problemloses Bewegen und Einpassen der schweren Steinquader unter Zuhilfenahme eines Krans ermöglichte – wurde ebenfalls von den Schmieden hergestellt. Diese Neuerung stellte eine enorme Erleichterung für die Arbeiten mit den Quadern dar. Erwähnenswert hierbei auch der Dom-Krans, der vermutlich um das Jahr 1350 erbaut wurde, zeitgleich mit Baubeginn des Südturms. Dieser Kran ruhte auf einem Grundquadrat aus vier starken Eichenbalken und wurde auf die Mitten der Turmseiten aufgelegt. Er wuchs mit Baufortschritt des Turms in die Höhe und stand zuletzt bei etwas über 45 Metern. Auf vielen Bildern ist er zu sehen denn prägte Jahrhunderte lang das Stadtbild Kölns, durch die lange Baupause verrottete er allerdings zusehends.

Ein weiterer nicht unerheblicher Punkt die Bauzeit betreffend, war die Beschaffung des geeigneten Steinmaterials für den Dom. Während der karolingische Dom noch mit Altmaterial gebaut war, also Gestein, das schon einmal verbaut war und nun wiederverwendet wurde,  kamen für den neuen gotischen Dom nur „jungfräuliche“ Steine in Frage. Bis zum Jahre 1560 wurden alle bis dahin fertiggestellten Teile des Doms mit dem Trachyt aus dem Drachenfels gebaut. Der Drachenfels lag in günstiger Nähe zur Baustelle und bot gute Transportmöglichkeiten. Wie sich nach der Baupause herausstellte, eignete sich dieser Stein allerdings nicht für alle Anforderungen einer Kathedrale und so wurden schließlich unzählige Steinarten aus verschiedenen Gegenden ausprobiert, so etwa Keuper-Sandstein aus Heidelberg, Kalkstein aus der Normandie, Basalt aus Niedermendig und Mayen, Schlaitdorfer Sandstein und Sandstein aus Obernkirchen bei Bückeburg sowie schließlich Londorfer Basalt, ein Lavagestein aus Gießen. Die Transportwege waren oft schwierig zu bewältigen und nahmen viel Zeit in Anspruch.

Bearbeitet wurden die Steine natürlich von den Steinmetzen, die damit die wichtigste Arbeit innehatten und die ungekrönten Könige der Bauhütte waren. Sie brachten die Quader auf das richtige Maß, fügten zusammen was zusammen gehörte und fertigten die wunderschönen Steinelemente, Türme und Figuren, die am Kölner Dom zu finden sind. Sie waren Künstler und wurden dementsprechend um ein Vielfaches besser bezahlt als alle anderen Handwerker.   

 

 

Baukunst im Wandel der Jahrhunderte


Romanik (etwa 800 – 1250)

Die Zeit der romanischen Baukunst erlebte ihre Blüte ab dem 10. Jahrhundert. Die Menschen kamen nach den Invasionen zur Ruhe und fanden wieder Interesse an der Erstellung großer Bauten, besonders im Abendland wurden unzählige Kirchen gebaut. Die umwälzende Neuerung im romanischen Kirchenbau war die Wölbung des Kirchenschiffes, wo früher offene Dachstühle oder Holzdecken eingebracht wurden. Man baute festungsartig, wuchtig mit dickem Mauerwerk – prägende Zeichen dieser Zeit sind Tonnengewölbe, Kuppeln, Kreuzgratgewölbe und Rundbögen. Man legte Wert auf eine kräftige Struktur, mit Betonung der geschlossenen Mauer und großer glatter Flächen. Der Bauschmuck wurde ebenfalls reicher, viele Skulpturen hielten Einzug in die Gebäude und Kirchen wurden mit Fresken geschmückt.  

 

Gotik (etwa 1250 – 1500)

Die Gotik verbreitete sich von Frankreich aus über ganz Europa. Voraussetzung hierfür war die Entwicklung des Spitzbogens und des Kreuzgewölbes. Diese wurden immer weiter perfektioniert und es entstand ein völlig neues Architektursystem, das besonders in großen Kathedralen zum Einsatz kam. Charakteristisch für den gotischen Bau sind Strebepfeiler und Strebebogen zur Ableitung des Gewölbedrucks anstelle von dicken Mauern, Kreuzrippengewölbe, Spitzbogen an Portalen und Fenstern, Austausch von Mauern gegen große bunte Fenster, himmelstrebende leichte Bauart, kunstvoll gearbeitete Statuen.

Zum Unterschied zwischen romanischer und gotischer Kirchen und Kathedralen sagt man, daß romanische Kirchen für den Menschen gebaut wurden, um ihnen einen Ort der inneren Einkehr zu geben – gotische Kathedralen hingegen wurden nur für Gott gebaut und dienten der Verherrlichung.

 

Renaissance

Renaissance bedeutet „Wiedergeburt“, in diesem Fall die Wiedergeburt der Antike, die von Italien ausging und in jedem Land eigene Formen annahm. Gotik und Renaissance wurden lange Zeit nebeneinander verwendet, bis schließlich die gotische Bauform nach und nach verschwand. Man besann sich auf  klare, strenge, harmonische Gliederung und wollte somit die Schönheit eines Gebäudes mathematisch erfassen. Die Waagerechte wurde deutlich stärker betont als die Vertikale, symmetrische Ornamente verzierten die Bauten, Säulenreihen in Eingängen und Fassaden sowie große Kuppeln wurden charakteristisch.

 

Barock (17. Jahrhundert)

Der Barock kam ebenfalls aus Italien und ist eine Weiterführung des Renaissancestils. Er war Ausdruck von Pracht und Selbstbewußtsein der Fürstenhöfe. Man baute prunkvoll, mit großen gewundenen Säulen, Girlanden, Zwiebeltürmen, mächtigen Kuppeln und üppigen Gesimsen. Lichtdurchflutete Innenräume mit prächtigen Malereien in den bevorzugten Farben Gelb und Gold sowie zahlreiche Skulpturen prägten die Kirchen und Schlösser dieser Epoche.

 

Moderne (18. – 19. Jahrhundert)

Ende des 18. Jahrhunderts war eine funktionale und rationalistische Bauform geboten, nachdem man zunächst auf die Antike zurückgegriffen hatte und die neuromanische und neugotische Architektur schuf. Das Eisen wurde als neuer Baustoff entdeckt und man übernahm die Technik der reinen Eisenkonstruktion für Industrie- und Zweckbauten, Ausstellungs- und Markthallen, Bibliotheken, Kaufhäuser und Fabriken. Aber auch außergewöhnliche Bauwerke wie der Kristallpalast der Londoner Weltausstellung oder die Pariser Markthallen sowie der Eiffelturm und die ersten Wolkenkratzer in Amerika entstanden in diesem Zeitraum.

 

 

Die Sage von der Teufelswette

 

Als zu Köln der alte Dom durch einen herrlicheren ersetzt werden sollte, wurde Meister Gerhard von Ryle, der in Frankreich die Baukunst der Kathedralen studiert hatte, beauftragt binnen eines Jahres einen Bauplan vorzulegen. Wohlgemut ging er ans Werk, doch so oft er sich sicher war nunmehr einen durchführbaren Plan gefunden zu haben, taten sich neue Probleme auf, so daß er schließlich verzweifelte. Da begab es sich, daß er bei einem Spaziergang auf der anderen Rheinseite, ganz erfüllt von seinen Sorgen, an einem großen Felsbrocken, der im Volksmund 'Teufelsstein' genannt wurde, einschlief.

 

Als Meister Gerhard erwachte, stand vor ihm ein Fremder, gekleidet nach Art der französischen Bauleute. Der Fremde begann mit einem Stock die Linien eines Baurisses in den Sand zu zeichnen, in dem Gerhard unschwer den vollendeten Bauplan zum Dom erkannte. Erstaunt fragte Gerhard den Fremden, was er ihm für diesen Plan überlassen müsse. Die Antwort lautete: 'Dich selbst und wenn du Frau und Kind noch hinzufügst, helfe ich dir diesen Bau in drei Jahren zu errichten. Wenn ich aber den Bau beim ersten Hahnenschrei am Ende der letzten Nacht nicht vollendet habe, seid ihr frei.' Nicht einmal der Teufel kann ein so gewaltiges Bauwerk innerhalb dieser Frist errichten, dachte Meister Gerhard und schlug ein.

 

Die Arbeit an der Dombaustelle schritt in nie dagewesener Weise voran. Bei Tag und Nacht erklang der Baulärm, doch der Dombaumeister wurde immer wunderlicher. Schon bald munkelte man, es ginge auf der Baustelle nicht mit rechten Dingen zu. Dies hörte auch die Dombaumeisterin. Auf ihre bange Frage berichtete Meister Gerhard ihr von dem unheilvollen Pakt. Verzweifelt sann die Frau auf einen Ausweg. Als sie eines Tages mit ihrem Sohn zum Markt ging, wies das Kind auf einen prächtigen Hahn und versuchte dessen Schrei nachzuahmen. Überglücklich herzte die kluge Frau das Kind, denn der Ausweg aus der verzeifelten Lage war gefunden. Fortan übte sie zu Hause so lange den Hahnenschrei bis ihr die Hähne aus der ganzen Nachbarschaft antworteten.

 

Die letzte Nacht des dritten Jahres war angebrochen, da betete die Dombaumeisterin zu Gott um Errettung und mit dem ersten Morgengrauen, als eben die letzte Turmspitze zum Dom emporgezogen wurde, stieß sie ihren Hahnenschrei aus und von allen Seiten antworteten laut die Hähne der Nachbarschaft. Mit ungeheuren Getöse fiel der Dom in sich zusammen. Der Baumeister und seine Familie aber waren gerettet. Der Dom jedoch wurde erst Jahrhunderte später vollendet. Eines Tages verlangte ein welscher Baumeister Gerhard von Ryle zu sprechen und fragte ihn ob er guten Rat für seinen Bau gebrauchen könne. Stolz wies der Dombaumeister dies zurück. Der Teufel, denn niemand anderes stand vor ihm, verwickelte Meister Gerhard daraufhin geschickt in ein Streitgespräch aus dem folgender Pakt entstand: wenn der Teufel es fertig brächte eine Wasserleitung aus der fernen Eifel nach Köln zu bauen und so einen Bach unterhalb des Domes fließen zu lassen bevor der Dom vollendet sei, so gehöre der Baumeister ihm. Gerhard willigte ein, da er sicher war, daß der Teufel das Geheimnis nicht kannte, Wasser über so weite Strecken zu führen. Der Teufel, der lange Zeit herumrätselte, warum das Wasser nicht durch seine Leitung fließen wollte, erfuhr dies schließlich durch eine List von Gerhards Frau. Beim Bau der Wasserleitung solle er alle Viertelstunden Weges ein Luftloch lassen, damit das Wasser bis Köln fließen konnte. Schon einige Tage später sah Gerhard ein munteres Bächlein unterhalb des Domes plätschern, auf dem sich die Enten tummelten. Da erkannte er, daß der Teufel seine Wette gewonnen hatte. Einen schaurigen Schrei ausstoßend stürzte er sich in die Tiefe, damit der Teufel ihn wenigstens nicht bei lebendigem Leibe bekomme. Der Teufel, in Form eines Höllenhundes, kam ihm jedoch zuvor, packte ihn und fuhr mit ihm zur Hölle. Lange Zeit fand sich kein Meister mehr bereit am Dom weiter zu bauen.

(Quelle: www.koelner-dom.de)

 

Anm. Es heißt, daß ein Wasserspeier im Südturm in Anlehnung an diese Sage die Form eines Höllenhundes hat - ob das wirklich stimmt, muß ich noch nachprüfen, ich werde dann berichten.