Kräuter - Heilkräuter - Unkräuter

 

Manch einer empfindet sie als lästige Zeitgenossen, andere hingegen sehen sie als wertvolle Geschenke der Natur. Zugegebenermaßen können sich einige von ihnen recht aufdringlich in unseren Gärten ausbreiten, doch viele Kräuterexperten sagen: 'Wenn ein Kraut in deinem Garten wächst, dann deshalb weil dein Körper seine Heilkräfte benötigt' und sie sagen auch, dass für jedes Zipperlein ein Kraut gewachsen ist. 
Das denke ich auch, doch leider ist es heutzutage so, dass kaum jemand sich die Zeit nehmen kann, sich mit den Heilpflanzen zu beschäftigen, geschweige denn sie zu sammeln, zu trocknen bzw. auf andere Art und Weise einen Tee, eine Salbe oder eine Tinktur zuzubereiten und dies dann mehrmals am Tag anzuwenden. Nichtsdestotrotz möchte ich hier einige Heilpflanzen und Kräuter nebst ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten vorstellen. Vielleicht entdeckt ja doch der eine oder andere, dass man dem Körper mit der sanften Heilkraft aus der Natur etwas Gutes tun kann. 
Bei allen hier vorgestellten Pflanzen gilt allerdings - sie können niemals einen Arztbesuch ersetzen. Also bei starken oder länger andauernden Beschwerden immer zum Arzt!

 

 

Lavendel


Foto: aboutpixel.de - maggie

 

Das obere Bild zeigt meine Lieblings-Heilpflanze, den Lavendel. Ich mag den aromatischen Duft und stelle im Sommer gerne zahlreiche Töpfe davon auf.

Der botanische Name lautet Lavandula angustifolia und der Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler. Beheimatet ist der Lavendel am Mittelmeer und man kennt ihn auch unter den Namen Lavander, Lavandel, Nervenkraut oder kleiner Speik.
Der Lavendelstrauch wird bis zu 60 cm hoch, ist winterhart und hat stark verzweigte Äste sowie aufrechte Zweige. Die Blätter sind schmal lanzettförmig und die Blüten sitzen am Ende von ca.  10-15 cm langen Stielen. Die Blüten verströmen einen einzigartigen, charakteristischen Duft von Frische und Reinheit. Früher streute man sie auf die Fußböden, um die Luft frisch zu halten und sie fanden auch Verwendung in Riechfläschchen, die man den Damen bei einer Ohnmacht unter die Nase hielt. Lavendelduft soll auch unerwünschte Ameisen auf sanfte Weise vertreiben.
Lavendelblüten enthalten ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an Linalool und Linalylacetat sowie Cineol und Campher. Sie finden Anwendung bei Asthma, Erschöpfung, Herzbeschwerden, Husten, Kreislaufschwäche, Migräne, Nervosität, Nervenschwäche, Neuralgien und Schlaflosigkeit. Weiterhin als Badezusatz bei Gicht, Ischias, Rheuma und Nervenschmerzen. Des weiteren wirken sie antiseptisch, beruhigend, blähungs- und harntreibend, krampflösend.
Für die Zubereitung eines Lavendeltees werden 1-2 Teelöffel Lavendelblüten mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals am Tag eine frisch bereitete Tasse davon trinken, insbesondere abends vor dem Schlafengehen. Für ein Bad nimmt man 20 - 100 g Lavendelblüten, kocht sie mit 2 l Wasser kurz auf und gibt das abgeseihte Konzentrat in 20 l Wasser.
Getrocknete Lavendelblüten eignen sich besonders gut für die Befüllung von Duftsäckchen. Dazu fertigt man kleine Leinen- oder Seidensäckchen (oder Kissen), befüllt sie mit den getrockneten Lavendelblüten (man kann natürlich auch andere Duftpflanzen nehmen) und dekoriert sie mit bunten Schleifchen oder Stickereien. Lavendelsäckchen zwischen die Wäsche gelegt, halten übrigens die Motten fern und in einem Koffer während der Ruhezeit vertreibt es den oftmals muffigen Geruch.
Aus Lavendelblüten lässt sich auch ganz einfach ein Duftwasser herstellen. Dazu übergießt man die frischen Blüten mit heißem Wasser und lässt dies zugedeckt ca. 15 Minuten ziehen. Nach dem Abkühlen kann das Duftwasser z.B. für Haarspülungen, als Gesichtswasser oder für ein erholsames Duftbad verwendet werden.
In der Aromalampe verdampftes Lavendelöl vertreibt lästige Insekten. Als Räucherpflanze entspannt Lavendel die Nerven, vertreibt schlechte Gedanken und macht den Kopf klar. 

Lavendelöl kann zu einer gewissen Schläfrigkeit führen - bitte darauf achten, sofern man eine längere Autofahrt vor sich hat.

 

 

Kamille


Foto: aboutpixel.de - maggie

 

Wer kennt nicht das älteste aller Hausmittel, die Kamille. Ihre Heilkräfte sind schließlich schon seit der Antike bekannt. Der botanische Name lautet Matricaria recutita und sie gehört zur Familie der Korbblütler. Nicht zu verwechseln mit der falschen Kamille, die nicht den typischen Kamillenduft hat oder der Hundskamille, die leicht muffig riecht und schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann. Die römische Kamille hingegen duftet genauso wie die echte Kamille und wirkt auch genauso. Die echte Kamille ist eine einjährige Pflanze, sie wächst selbst an kargen Standorten und man erkennt beim Zerreiben der Blüte ihren unverwechselbaren aromatischen Duft. Gesammelt und medizinisch verwendet werden die Blüten sowie das daraus zu gewinnende ätherische Öl. Die Kamille wirkt krampflösend, entzündungshemmend, Wundheilungsfördernd, antibakteriell und blähungstreibend - daher setzt man sie gerne bei entzündlichen Magen-Darmerkrankungen ein sowie auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens oder entzündlichen Veränderungen der Haut. Außerdem wirkt sie sehr gut als Inhalation bei Erkältungen zur Beruhigung der Atemwege.
Kamillenblüten sollten spätestens am 5. Tag nach dem Aufblühen gepflückt werden und sie dürfen nicht in der Sonne getrocknet werden, da sie dann ihre Wirkkräfte verlieren.
Für einen Kamillentee werden 3 g Kamillenblüten benötigt, die wir mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und täglich 3-4 Tassen frisch zubereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.
Für Umschläge oder Gurgellösungen kommen 3-10 g Kamillenblüten auf 100 ml Wasser, für Bäder 5 g Blüten pro Liter Wasser und für eine Inhalation 6 g Blüten auf 1 Liter Wasser.
Im Handel findet man auch zahlreiche Cremes und Kosmetikprodukte, die Kamillenanteil enthalten und durchaus verwendet werden können.
Hier noch ein Rezept für Kamillenhandcreme: Man benötigt 70 g Vaseline, 15 g Kakaobutter, 1 TL Lanolin anhydrid (gehäuft) und 5 Tropfen Kamillenöl. Die Vaseline im kochenden Wasserbad schmelzen, Kakaobutter und Lanolin hineingeben und bei 70 Grad ebenfalls schmelzen lassen. Dann mit einem kleinen Schneebesen so lange rühren, bis die Mischung leicht abgekühlt ist. Das Kamillenöl zugeben und kalt rühren.
An sich verursacht die Kamille keine Überempfindlichkeitsreaktionen, es sei denn, man verträgt keine Korbblütlergewächse. Wichtig: Es geht immer noch die Meinung um, man solle Kamille auch bei Augenentzündungen anwenden. Dies ist aber falsch denn Kamille kann die Augen reizen. Also: nicht im Bereich der Augen anwenden! 


 

Frauenmantel

      

 

Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
Wie keines ringsherum es hat. 
Mit zierlich eingekerbtem Rand
Ist für den Tau es angespannt, 
Recht als ein Schälchen hingestellt, 
in welches Perl`auf Perle fällt. 
So hebt es auf des Himmels tau, 
der niedersinkt auf Flur und Au`,
Manch Elflein gegen Morgen kommt, 
das dürstet, dem zu trinken frommt,
Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht: 
Ein bessres Labsal gibt es nicht
(Johannes Trojan) 

 

Der Frauenmantel oder Alchemilla vulgaris gehört zu den Rosengewächsen und wird auch Alchemistenkraut genannt oder Marienmantel, Taublatt oder Tauschlüsselchen. Der Name Alchemilla rührt daher, weil der in den kelchartigen Blättern gesammelte Tau zu früherer Zeit den Alchemisten als natürliches Destillat diente, das sie zur Bereitung des Steins der Weisen verwendeten. Auch die Druiden nutzten dieses Wasser, etwa zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen. Ebenso sammelte man früher dieses Pflanzenwasser zur Reinigung des Gesichts, für eine schöne Haut und gegen Sommersprossen. Die Kräuterfrauen sahen im Frauenmantel ein von der Göttin Frigga gesandtes Mutterkraut, deren Kraft Blutungen stillen und Geburtswunden schließen konnte. Das "Ausschwitzen" der Pflanze von zuvor aufgenommenem Wasser über die Blattränder sah man als natürlichen Ausgleich des Wasserhaushaltes und Verbindung zum Schwitzen der Frauen in den Wechseljahren, weshalb das Frauenmantelkraut auch gerne hierfür gegeben wurde. Es soll auch gegen Unterleibskrämpfe helfen und, da es Gerbstoffe enthält, wirksam sein gegen leichte Durchfallerkrankungen.
Verwendet werden die Blätter und für einen Tee etwa 2 Teelöffel mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10-15 Minuten abgeseiht. Von diesem Tee 3 bis 5 mal täglich eine frisch zubereitete Tasse trinken.
Sollte sich der Frauenmantel zu sehr im Garten ausbreiten, schneidet man die verblühten Stängel einfach ab. Der Wuchs der Pflanze wird dann auch schöner. 

 

Ringelblume


 

"Die Ringelblum erwacht aus Traum,
    Tut güldne Äuglein auf;
Lacht jede Blüt im grünen Raum,
Drum, holdes Kind, steh auf:
    Steh auf, steh auf!"

(Lied aus Shakespeares Cybeline)

 

Im Volksglauben sah man in der Ringelblume eine Liebeszauberpflanze und es hieß, wer die Wurzel im Schuh trägt, der hat Erfolg beim anderen Geschlecht.
Die Ringelblume oder auch Calendula officinalis, ist ein Korbblütler und so ziemlich in jedem Bauerngarten zu finden. Sie wächst bis zu 50 cm hoch und hat einen aufrechten, meist reich verzweigten Stängel. Die Blütenköpfe können gefüllt oder nicht gefüllt sein und von gelber bis dunkeloranger Farbe. Man nennt die Ringelblume auch Sonnwendblume, Studentenblume, Regenblume (weil sie bei zu erwartendem Regen die Blüten nicht öffnet) oder Totenblume (weil man sie früher gerne auf Gräber pflanzte). Der Duft ist stark süßlich-würzig, nach dem Pflücken jedoch riecht sie unangenehm, weshalb man sie auch als Stinkblume bezeichnet.

Die Ringelblume ist eine sehr alte Heilpflanze, schon Hildegard von Bingen erwähnte im 12. Jahrhundert in ihren Aufzeichnungen die Heilwirkung der Ringelblume. Gesammelt wird von Juni bis August und nur die Blüten, ohne Stängelanteil. Am ehesten ist die Wirksamkeit der Ringelblume als Bestandteil in Cremes und Salben zur Hautpflege bekannt, denn sie wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung. Sie greift in den Stoffwechsel ein und reguliert die Blutzirkulation der Haut, daher wird sie gerne bei gereizter, entzündeter, empfindlicher Haut und Schleimhaut verwendet oder auch bei Quetschungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, Erfrierungen, Krampfadern und Venenentzündungen, rissigen Händen, ja sogar bei Fußpilz soll sie helfen. Als Tee wirkt sie krampflösend, schweißtreibend und beeinflusst die Galleausscheidung, jedoch wird sie innerlich nicht mehr angewandt sondern nur noch als schmückende Beigabe zu Teemischungen. Den Ringelblumentee setzt man höchstens noch zum Spülen oder Gurgeln bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum ein. Dazu nehmen wir 1-2 Teelöffel Ringelblumenblüten und übergießen sie mit ca. 150 ml heißem Wasser, nach 10 Minuten abseihen. Mit dem warmen Tee mehrmals täglich den Mund spülen oder gurgeln. Zur Wundbehandlung tränkt man ein sauberes, fusselfreies Tuch oder eine sterile Kompresse mit dem Tee und legt dies auf die Wunde – den Umschlag mehrmals täglich wechseln.
Rezept für Ringelblumensalbe: Mittags oder am Nachmittag, bei voller Sonne, zwei Handvoll Ringelblumenköpfe pflücken. 250 g ungesalzenes Schweineschmalz erhitzen, Blüten zugeben, nicht aufkochen, vom Herd nehmen und 24 Stunden ziehen lassen. Danach das Ganze wieder erhitzen und abseihen. Die Blüten dabei gut ausquetschen. Direkt in kleine, saubere Cremedöschen o.ä. füllen und im Kühlschrank aufbewahren. (Das Rezept hat mir meine liebe Freundin freundlicherweise zur Verfügung gestellt - herzlichen Dank dafür)
Achtung: wer einen verfressenen Hund hat (wie ich), sollte aufpassen - eingeschmierte Füße beispielsweise bewirken, dass Hund einem ständig selbige abschlecken will (Schweineschmalz!) #ggg#
Bei bekannter Allergie gegen Korbblütler sollte man die Ringelblume nicht anwenden. Außerdem können bei längerer äußerlicher Anwendung Kontaktekzeme entstehen, daher die Anwendung unterbrechen wenn keine Heilung eintritt.

Melisse

 

(Foto: Zitronenmelisse)

 

Melissa officinalis gehört zu den Lippenblütlern und kommt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und Westasien. Man kennt sie unter vielen Namen, z.B. Bienenkraut, Citronelle, Frauenkraut, Herzkraut, Herztrost, Honigblume, Mutterkraut, Zitronenmelisse. Der stark verästelte Strauch wird etwa 80 cm hoch, hat einen zitronenähnlichen Duft und die Blüten sind bläulich oder weißgelblich. Man findet die Melisse in Gewürzgärten, in Hecken sowie an Zäunen und an Waldrändern.
Gesammelt werden die Blätter, und zwar von Juni bis August bevor die Pflanze zu blühen beginnt. Während der Blüte verändern sich nämlich die Wirkstoffe und auch der Duft wird eher unangenehm. Vor der Blüte also schneidet man die Triebe etwa 10 cm über dem Boden ab und streift die Blätter von den Stängeln. Die Blätter werden dann möglichst umgehend bei Warmluft bis 40° getrocknet, währenddessen öfter wenden.
Als Tee angewendet schätzt man die Melisse wegen ihrer Wirksamkeit gegen Unruhezustände, Schlafstörungen, Erkältungskrankheiten, Migräne, Herzbeschwerden, nervös bedingte Magen- u. Darmbeschwerden, Blähungen, Ohrenschmerzen, Menstruationsbeschwerden. Für einen Tee nimmt man 1,5 – 4,5 Teelöffel Melissenblätter und übergießt sie mit ca. 150 ml siedendem Wasser, lässt den Tee 10 Minuten abgedeckt ziehen und seiht dann ab. Morgens und abends vor dem Schlafengehen eine Tasse davon trinken.  
Äußerlich wirkt die Melisse in Salbenform oder Melissengeist gegen Lippenbläschen, Zahnschmerzen, Rheumatismus und wegen des Gerbstoffgehaltes auch bakterien- und pilzhemmend.

Zur Beachtung: Bei behandlungsbedürftigen Schilddrüsenerkrankungen ist eine vorherige Rücksprache mit dem Arzt erforderlich, da Melissenauszüge in Laborversuchen Einfluss auf Schilddrüsenhormone gezeigt haben!

Weiterhin kann bei Einnahme hoher Dosierungen die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt werden. Ansonsten ist die Melisse gut verträglich.

Übrigens werden frische Melisseblätter auch sehr gerne zu Dekorationszwecken in der Küche verwendet, als schmückende Beilage zu Fisch, Geflügel und Salaten eignen sie sich besonders gut. Da sie außerdem sehr gut zu Obst passt, würzt man besonders gerne Apfelgerichte mit der Melisse oder auch andere Desserts.