Schatzkästchen

           

Hier werde ich allerhand sammeln - Dinge, die mir gut gefallen oder wichtig sind - Bilder, Fotos, Gedichte, Textschnipsel etc.
Ich möchte diese Schätze mit euch teilen und daher zeige ich sie hier.
Viel Spaß beim Anschauen.

 

 


© Templermeister /PIXELIO
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Bruder Wolf

Ich habe dich angesehen,

deine Kraft bewundert,

die Eleganz deiner Bewegungen,

dich beneidet ob deines Stolzes, deiner Kraft.

Obwohl du gefangen warst, hinter dem Zaun.

Ich sprach dich an mit deinem heiligen Namen –

Tashuunka Wakan.

Für einen Moment sahen wir uns in die Augen.

Ich fühlte die Sehnsucht, zu laufen, unendlich weit.

Dann kamen diese Kinder – unschuldig, unwissend.

Trotzdem verantwortlich für deine und

meine Zukunft.

Sie warfen Kekse über den Zaun.

Und plötzlich sah ich dich betteln –

und Scham in deinen Augen.

Mein Herz schrie auf.

Bruder, was haben wir dir getan!

 (von Dr. Peter Schmiedtchen)

 

 


Foto: aboutpixel.de / chival

 

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke 

 

 

Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau;
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." -
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe (1782) 

 

 


 

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne der Wind, der dich sanft umschließt,
der Dir Lebendigkeit einhaucht.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne der Regen, dein Quell des Lebens,
der tief in dich eindringt um dich von innen her zu stärken.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne die Sonne, die dir Kraft gibt,
die deine gesamte Schönheit zum Erstrahlen bringt.

Wenn Du eine Rose wärst
wäre ich gerne die Erde, die deine Standfestigkeit bedeutet,
die deine Wurzeln kräftigt sodass dich nichts erschüttern kann.

Wenn Du eine Rose wärst
wäre ich gerne der Vogel, der in voller Pracht um dich kreist,
der alles Ungetier von dir fernhält, damit du nicht zu Schaden kommst.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne die Biene, die deine Saat verbreitet,
die dafür sorgt, dass du über dich hinauswächst.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne der Tag, der dich voll erblühen lässt,
der deine ganze Lieblichkeit zur Geltung bringt.
 
Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne die Nacht, die dich versteckt,
die dich in einem finsteren Mantel vor Feinden schützt.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne die Zeit, die dich immer begleitet,
die jeden Augenblick mit dir teilt, von der Wiege bis zu Bahre.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne der Tod, der dir dein Leid nimmt,
der dich leise, ohne Schmerz von dieser Welt verabschieden lässt.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne die Unendlichkeit, die immer von dir erzählt,
die dein Andenken, lang nach deiner Zeit weiterträgt.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne Ich, der dich ansieht,
der der sich an deiner Selbst erfreut.

Wenn Du eine Rose wärst,
wäre ich gerne Der, für den Du blühst,
der der deine gesamte Gunst bis in alle Ewigkeit erwarb.

(Marcell Kluth)

 


© Tina / PIXELIO
www.pixelio.de
 

Die Wolfsfrau

Nur wenn eine Frau die ihr anerzogene Rolle des

Lieb – Nett – und Angepasstseins,

des Gehorchens – Fügsamsein – des Sichunterordnens

und Stillseins aufgibt

kann sie aufwachen und wieder „sehend“ werden.

„Was ist aus meiner Seele geworden?

Was in mir ist kaputt,

abgestorben oder droht, abzusterben, wenn ich so weitermache?“

„Welche Grundbedürfnisse liegen inzwischen begraben?

Wie steht es mit meiner Beziehung zum wilden,

instinktiven Selbst?

Wann bin ich zum letzten Mal frei

und laut lachend einem unbekannten Horizont entgegengelaufen?

Was sagt die Stimme meiner Seele in diesem Augenblick?

Singt sie die herrlichen Schöpfungshymnen?

oder verstummt sie mehr und mehr?

Wie mache ich das Totgeglaubte wieder lebendig in mir,

in meinem Haus und meiner Umwelt?

Wo ist die Wolfsfrau in mir? „Geht es ihr gut“?

Dann zuckt nichts mehr in unserem Innern zusammen

und macht sich plötzlich kleiner als es ist,

wenn wir zum x-ten Mal als verrückt, exzentrisch,

versponnen, unangepasst

und komisch bezeichnet werden,

wenn irgend jemand uns mehr

oder minder subtil zu verstehen gibt,

dass Frauen wie wir ihrer Gesellschaft zur Schande gereichen.

Frauen, die jemals in ihrem Leben als widerspenstig,

aufmüpfig, unhöflich, unverschämt,

unverbesserlich und rebellisch bezeichnet worden sind,

sollten wissen, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Die wilde Frau steht direkt hinter Dir.

(aus dem Buch "Die Wolfsfrau" v. Clarissa Pinkola Estés)

 

 

Ich hasse meine Feinde nicht.

Ich setze mich an den Fluss und warte bis ihre Leichen vorüber schwimmen.

 (Alte Indianerweisheit)


 



 



Geschenk von Romy - vielen Dank dafür!!


 

 


Foto: aboutpixel.de / Mirko Schubert

 

Die Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

 


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